ADHS BEI ERWACHSENEN 

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, ständig abgelenkt zu sein, Aufgaben nur schwer zu Ende zu bringen oder innerlich nicht zur Ruhe zu kommen. Viele Erwachsene erleben solche Herausforderungen im Alltag, ohne zu wissen, dass ADHS bei Erwachsenen oder ADS dahinterstehen kann.

WAS IST ADHS?

 

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung und wird auch als neurodivergente Ausprägung des Gehirns beschrieben. Das bedeutet, dass Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstorganisation bei Betroffenen anders funktionieren als bei neurotypischen Erwachsenen.

ADHS beginnt in der Kindheit, bleibt aber bei einem Teil der Betroffenen auch im Erwachsenenalter bestehen. Studien zeigen, dass etwa 2,5% der Erwachsenen ADHS haben. 

 

Frauen werden oft später mit ADHS diagnostiziert, unter anderem weil sich ihre Symptome häufig anders zeigen als bei Männern, etwa weniger durch Hyperaktivität, sie ihre Schwierigkeiten durch hohen Aufwand kompensieren und die klassischen Diagnosekriterien lange auf männliches Verhalten ausgerichtet waren.
 

Erwachsene mit ADHS haben häufig Schwierigkeiten bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben, beim Setzen von Prioritäten und beim Halten der Aufmerksamkeit über längere Zeit. Während bei Kindern oft motorische Unruhe auffällt, berichten Erwachsene eher über innere Unruhe, Ablenkbarkeit und das Gefühl, ständig unter Druck zu stehen. Viele Betroffene fühlen sich leicht abgelenkt von neuen Ideen oder Eindrücken und haben Probleme, Projekte zu beenden.

 

Neurobiologisch zeigt sich bei ADHS eine veränderte Regulation von Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin, die für Aufmerksamkeit, Motivation und das Arbeitsgedächtnis entscheidend sind. Genetische Faktoren tragen stark zur Entstehung bei. Umweltfaktoren können den Verlauf und die Ausprägung der Symptome beeinflussen. ADHS wird daher als multifaktorielle neurodivergente Ausprägung verstanden, die individuell sehr unterschiedlich erlebt wird. ADHS wird in drei Subtypen unterteilt: die vorwiegend unaufmerksame Form (ADS), die vorwiegend hyperaktive-impulsive Form und die kombinierte Form, bei der sowohl Unaufmerksamkeit als auch Hyperaktivität/Impulsivität auftreten.

 

Der unaufmerksame Typ (ADS)

ADS ist eine Form von ADHS, bei der die Aufmerksamkeitsprobleme im Vordergrund stehen und Hyperaktivität kaum oder gar nicht auftritt. Viele Erwachsene wirken nach außen ruhig, haben aber ähnliche Herausforderungen wie Menschen mit ADHS.

Typische Merkmale sind Schwierigkeiten, Aufgaben zu beginnen oder zu beenden, eine erhöhte Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, Probleme bei Planung und Organisation sowie innere Unruhe. Häufig berichten Betroffene über häufiges Abschweifen der Gedanken oder intensive Tagträume.

 

ADS wird oft spät erkannt, da die Symptome weniger auffällig sind. Diese neurodiverse Ausprägung des Gehirns kann dennoch deutliche Auswirkungen auf Alltag, Beruf und Beziehungen haben.

Der hyperaktiv-impulsive Typ

Der hyperaktiv-impulsive Subtyp zeigt sich vor allem durch ständige innere oder äußere Unruhe, impulsives Handeln und Schwierigkeiten, still zu sitzen oder abzuwarten. Betroffene handeln oft spontan, unterbrechen andere oder haben Probleme, Impulse zu kontrollieren. Bei Erwachsenen äußert sich dies häufig in ständiger Aktivität, innerer Anspannung oder der Tendenz, Entscheidungen schnell und ohne gründliche Planung zu treffen.

Der kombinierte Typ

Der kombinierte Subtyp von ADHS vereint sowohl Symptome der Unaufmerksamkeit als auch der Hyperaktivität und Impulsivität. Betroffene zeigen Schwierigkeiten bei der Planung von Aufgaben, beim Setzen von Prioritäten und beim Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit über längere Zeit, während gleichzeitig Impulsivität und innere Unruhe auftreten.

TYPISCHE SYMPTOME 

 

Die Hauptmerkmale von ADHS bei Erwachsenen sind Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität.

  • Unaufmerksamkeit zeigt sich durch Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Schwierigkeiten beim Planen und Priorisieren von Aufgaben, Ablenkbarkeit, häufiges Prokrastinieren und Probleme, Aufgaben zu Ende zu bringen
  • Impulsivität äußert sich in spontanen Entscheidungen, Unterbrechungen, Schwierigkeiten abzuwarten, impulsiven Käufen, spontanen Äußerungen oder Handlungen ohne gründliches Nachdenken
  • Hyperaktivität ist im Erwachsenenalter oft weniger sichtbar als bei Kindern und kann sich eher als innere Unruhe, Rastlosigkeit, das Bedürfnis, ständig aktiv zu sein, oder Schwierigkeiten, still zu sitzen, zeigen

Weitere Symptome können sein:

  • Vergesslichkeit im Alltag
  • Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen
  • Häufiges Gefühl von Überforderung oder Chaos
  • Innere Unruhe und Schwierigkeiten, sich zu entspannen
  • Stimmungsschwankungen, schnelle Reizbarkeit oder Frustration
  • Geringe Stressresistenz bei unerwarteten Anforderungen
  • Schwierigkeiten, Projekte zu Ende zu bringen oder konsequent dranzubleiben

Diese Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und wirken sich oft auf Beruf, Beziehungen und Alltag aus.

NEUROBIOLOGIE VON ADHS

 

Bei ADHS funktionieren bestimmte Gehirnsysteme, die für Aufmerksamkeit, Motivation, Belohnungsverarbeitung und exekutive Funktionen zuständig sind, anders als bei neurotypischen Erwachsenen. Besonders relevant sind die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die bei Betroffenen in ihrer Regulation verändert sind. Diese Unterschiede beeinflussen, wie Informationen verarbeitet, Handlungen gesteuert und Verhalten reguliert wird.

 

Bestimmte Gehirnregionen, wie der präfrontale Kortex und das Striatum, spielen eine Schlüsselrolle. Sie steuern Planung, Arbeitsgedächtnis, Motivation und Emotionsregulation und werden durch die veränderten Botenstoffsysteme in ihrer Funktion moduliert. 

ADHS BEI FRAUEN

 

ADHS und ADS zeigen sich bei Frauen häufig anders als bei Männern. Während Jungen und Männer oft durch sichtbare Hyperaktivität auffallen, treten bei Frauen und Mädchen die Symptome oft subtiler auf. Besonders die unaufmerksame Form, ADS, wird bei Frauen häufig spät erkannt oder übersehen. Eine gezielte Diagnostik, die die Lebensgeschichte, Coping Strategien und Alltagserfahrungen berücksichtigt, ist deshalb besonders wichtig.

 

Therapeutische Ansätze für Frauen können unter anderem Strategien zur Stressbewältigung, Selbstorganisation und emotionalen Regulation beinhalten. Ziel ist es, die neurodivergente Ausprägung des Gehirns zu verstehen und individuelle Wege zu entwickeln, die Lebensqualität zu verbessern.

DIAGNSOTIK VON ADHS IM ERWACHSENENALTER

 

Die Diagnostik erfolgt leitliniengerecht und umfasst:

  • Eine ausführliche Anamnese
  • Strukturierte klinische Interviews
  • Standardisierte Fragebögen und Selbstbeurteilungen
  • Fremdbeurteilungen durch Partner:innen, Freunde oder Familie
  • Ausschluss anderer psychischer oder körperlicher Ursachen

Eine sorgfältige Diagnostik ist besonders wichtig, da ADHS oder ADS bei Erwachsenen häufig unerkannt bleiben. Viele Symptome ähneln anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Burnout, sodass eine professionelle Abklärung entscheidend ist.

THERAPIE VON ADHS 

 

Die Behandlung erfolgt evidenzbasiert und multimodal. Leitlinien empfehlen eine Kombination aus Verhaltenstherapie und gegebenenfalls medikamentöser Therapie.

 

Psychotherapie unterstützt Erwachsene dabei, ihre neurodivergente Ausprägung des Gehirns zu verstehen und Strategien für Alltag, Beruf und Beziehungen zu entwickeln. Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören Psychoedukation, effektive Strategien zur Selbstorganisation sowie bewährte Techniken zur Emotionsregulation

 

Medikamentöse Therapie kann helfen, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle zu verbessern. Dazu zählen Stimulanzien und nicht stimulierende Wirkstoffe, verschrieben durch Psychiater:innen. 

 

Alltagsstrategien wie Routinen, Gedächtnishilfen, digitale Tools oder Aufgabenplanung können die Umsetzung therapeutischer Inhalte erleichtern.

DIAGNOSTIK & THERAPIE IN UNSERER PRAXIS

 

Wenn Sie den Verdacht haben, dass ADHS oder ADS bei Ihnen vorliegen könnte, können Sie in unserer Praxis eine Diagnostik für Erwachsene durchführen lassen. Auf Wunsch ist die Diagnostik auch online möglich. Bitte vereinbaren Sie hierfür einen Termin.

 

Darüber hinaus bieten wir bei Bedarf Verhaltenstherapie an, um Sie individuell zu unterstützen und Strategien für Alltag, Beruf und Beziehungen zu entwickeln.

 

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